Aluminium-Systemprofile: Aufbau & Anforderungen im Fassadenbau

Was ist ein Aluminium-Systemprofil?

Ein Aluminium-Systemprofil (häufig auch als Alu-Systemprofil bezeichnet) ist ein im Strangpressverfahren (Extrusion) hergestelltes Bauteil aus einer hochwertigen Aluminiumlegierung. Es wird im Fenster-, Tür- und Fassadenbau als tragendes und funktionales Element eingesetzt.

Die Herstellung erfolgt im Strangpressverfahren. Dabei wird erhitztes Aluminium durch eine Matrize gepresst, wodurch die gewünschte Profilgeometrie entsteht. Dieses Verfahren ermöglicht eine hohe Maßgenauigkeit sowie die Herstellung komplexer Querschnitte.

Im Fassadenbau bilden Aluminium-Systemprofile das konstruktive Grundgerüst von Fenstern, Türen und Fassadenkonstruktionen. Als multifunktionale Bauteile vereinen sie statische Stabilität mit präziser Systemintegration.

Systemprofile aus Aluminium zeichnen sich durch hohe Maßgenauigkeit, Korrosionsbeständigkeit und ein günstiges Verhältnis von Steifigkeit zu Eigengewicht aus. Diese Eigenschaften machen sie zu einem vielseitigen Werkstoff im Bauwesen.

Schlanke Profilansichtsbreiten, die Integration von Dichtungs- und Beschlagsnuten sowie die profilierte Ausbildung von Dämmebenen, Falzbelüftungs- und Entwässerungsebenen gewährleisten eine durchgängige Funktionalität der Bauteile.

In der Praxis werden hierfür abgestimmte Profilsysteme eingesetzt, die auf die jeweiligen Anforderungen an Statik, Dichtheit und Dauerhaftigkeit ausgelegt sind.

Vorteile von Alu-Systemprofile

  • Korrosionsbeständig
  • Günstiges Verhältnis von Gewicht zu Festigkeit
  • Schlanke Profilquerschnitte möglich
  • Geringer Wartungsaufwand
  • Recycelbar

Dinge, die es zu beachten gilt

  • Höhere Investitionskosten
  • Hohe Wärmeleitfähigkeit (thermische Trennung erforderlich)
  • Systemgebunden (keine Kombination verschiedener Hersteller)
  • Energieintensive Primärherstellung

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Mehr Informationen
Erklärung Aufbau eines Aluminium-Systemprofils
Aufbau eines Aluminium-Systemprofils

Aufbau von Fenster- und Fassadenelementen aus Aluminium

Ein modernes Aluminium-Fensterprofil, Fassadenprofil oder Türprofil ist ein hochpräzises Mehrkammersystem.

Die Außen- und Innenschale werden dabei über Isolierstege voneinander getrennt (thermische Trennung), um Wärmebrücken zu reduzieren. Ohne diesen entscheidenden Aufbau würde die hohe Wärmeleitfähigkeit von Aluminium direkte Wärmebrücken erzeugen.

Eine zusätzliche Dämmfüllungen aus Schaumstoff oder PU-Schaum in den Kammern, minimiert den Wärmedurchgang weiter.

Innerhalb eines Elements übernehmen zwei grundlegende Profiltypen zentrale Aufgaben:

  • fest mit dem Baukörper verbunden
  • übernimmt die Lastabtragung des Elements
  • bildet die Schnittstelle zur Abdichtungsebene
  • beweglicher Bestandteil des Elements
  • nimmt Beschläge und Verglasung auf
  • bestimmt die Öffnungsart und Nutzung

Ob klassisches Dreh-Kipp, Schwenk-Flügel oder komplexe PASK-Anlagen – jede Öffnungsart stellt spezifische Anforderungen an Profilgeometrie und Beschlagsaufnahme.

Erst das Zusammenspiel dieser Komponenten gewährleistet die Funktionsfähigkeit des gesamten Systems.

Bei nach außen öffnenden Elementen verändert sich die Anschlagsituation. Dies wirkt sich auf Ansichtsbreiten, Anschlussdetails und angrenzende Bauteile aus und sollte frühzeitig in der Planung berücksichtigt werden.

CarbonControl-Urkunde_Jahrestonnage_Pröchel GmbH2025
Zertifikat über Einsparung über 492,1 Tonnen durch den Einsatz von Low-Carbon-Aluminiumprofilen in 2025

Nachhaltigkeit ist im Fassadenbau eng mit der Materialwahl verbunden. Aluminium ist nahezu vollständig recycelbar, wobei die Wiederaufbereitung nur einen Bruchteil der Energie der Primärproduktion erfordert. Mit einer Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten ergibt sich daraus eine belastbare Grundlage für die ökologische Bewertung von Systemprofilen.

Zur Reduktion des CO₂-Fußabdrucks werden zunehmend Profile mit reduziertem Emissionswert eingesetzt. PRÖCHEL setzt dabei standardmäßig auf Low-Carbon-Aluminium und berücksichtigt projektabhängig weiterführende Materialoptionen.

  • LOW-CARBON-ALUMINIUM:
    reduzierte CO₂-Emissionen gegenüber konventioneller Primärproduktion
  • ULTRA-LOW-CARBON-ALUMINIUM:
    höherer Recyclinganteil und Einsatz erneuerbarer Energien in der Herstellung
  • KREISLAUFANSÄTZE:
    Rückführung von Aluminium in geschlossene Materialkreisläufe

Diese Optionen gewinnen insbesondere bei Bauvorhaben mit Nachhaltigkeitszertifizierungen, z. B. DGNB, an Bedeutung. Die Auswahl erfolgt dabei im Kontext der jeweiligen Projektanforderungen und Nachweispflichten. Für Bauvorhaben mit Nachhaltigkeits-Zertifizierung oder Berichtspflicht berät PRÖCHEL bereits in der Entwurfsphase zur optimalen Materialwahl und stellt die erforderliche Dokumentation sicher.


Experte bei der PRÖCHEL GmbH - Patrick Doktorowski

„Die Profilwahl ist keine reine Designentscheidung. Sie bestimmt über Jahrzehnte hinweg die statische Sicherheit und energetische Dichtigkeit der gesamten Fassade.“

Patrick Doktorowski
Technischer Leiter der PRÖCHEL GmbH


Wie stabil sind Aluminium-Systemprofile?

Aluminium-Systemprofile weisen ein günstiges Verhältnis von Festigkeit zu Eigengewicht auf und sind damit für den Einsatz im Fenster- und Fassadenbau geeignet.

Für die tatsächliche Stabilität eines Bauelements ist jedoch nicht allein der Werkstoff entscheidend, sondern das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:

  • PROFILGEOMETRIE:
    Bautiefe, Wandstärken und Kammeraufbau bestimmen die Tragfähigkeit.
  • VERBUNDSYSTEM:
    Die Verglasung wirkt als aussteifendes Element im Gesamtsystem.
  • VERBINDUNGSTECHNIK:
    Die Qualität der Eck- und Stoßverbindungen beeinflusst die Dauerhaftigkeit maßgeblich.
  • LASTANNAHMEN:
    Windlasten, Eigengewicht der Verglasung sowie Nutzungsanforderungen.  In der Planung werden diese Einflussgrößen projektspezifisch berücksichtigt.

In der Planung werden diese Einflussgrößen projektspezifisch berücksichtigt. Die Dimensionierung erfolgt auf Basis statischer Berechnungen und normativer Anforderungen.

Die Stabilität eines Elements ergibt sich somit nicht aus dem Profil allein, sondern aus dem gesamten Systemaufbau. Schlanke Ansichtsbreiten sind nur dann sinnvoll, wenn sie mit den statischen Anforderungen vereinbar sind.

  • GROSSFORMATIGE VERGLASUNG:
    Bautiefe, Wandstärken und Kammeraufbau bestimmen die Tragfähigkeit.
  • ABSTURZSICHERNDE VERGLASUNG:
    zusätzliche Anforderungen an Tragfähigkeit und Befestigung
  • BEANSPRUCHTE TÜRANLAGEN:
    erhöhte Anforderungen durch häufige Nutzung
Überblick über Türrahmen-, Türflügel, Fensterrahmen- und Fensterflügelprofile
Ansicht der verschiedenen Tür- und Fensterprofilarten

Profilarten im Fenster- und Fassadenbau

Im Fassadenbau werden unterschiedliche Profiltypen eingesetzt, die jeweils spezifische Funktionen innerhalb des Systems übernehmen. Grundsätzlich lässt sich zwischen Systemprofilen und konstruktiven Zusatzprofilen unterscheiden.

Systemprofile bilden die Grundlage für Fenster-, Tür- und Fassadenelemente. Dazu gehören insbesondere:

  • FENSTERELEMENTE:
    Blendrahmen- und Flügelprofile
  • TÜRELEMENTE:
    Blendrahmen- und Türflügelprofile
  • PFOSTEN-RIEGEL-FASSADEN (PR-Fassaden): Pfosten-Riegel-Profile

Diese Profile werden von Systemherstellern entwickelt und als abgestimmte Komponenten bereitgestellt. Geometrie, Dichtungsaufnahmen und Verbindungstechnik sind exakt aufeinander abgestimmt.

Ein Mischbetrieb von Komponenten unterschiedlicher Systeme ist technisch nicht zulässig, da er die Funktionsfähigkeit und die Systemzulassungen beeinträchtigt.

Neben den Systemprofilen kommen zusätzliche Profile zum Einsatz, die konstruktive oder gestalterische Aufgaben übernehmen.

  • F-Profile
  • L-Profile (Winkelprofile)
  • U-Profile
  • T-Profile
  • Z-Profile 
  • Unterkonstruktion
  • Anschlusslösung an angrenzende Bauteile
  • Abdeckung von Fugen und Übergängen

In bestimmten Anwendungsfällen werden Profile aus anderen Werkstoffen ergänzt:

  • Stahl bei erhöhten statischen Anforderungen
  • Edelstahl bei besonderen Anforderungen an Korrosionsbeständigkeit

Diese Materialien werden gezielt eingesetzt, um die Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit der Konstruktion sicherzustellen.

Verbindungstechniken im Profilbau

Die Art der Verbindung zwischen Systemprofilen aus Aluminium beeinflusst maßgeblich die Stabilität, Dichtigkeit und Dauerhaftigkeit eines Bauelements. Insbesondere im Bereich der Fugen entstehen häufig Schadensbilder, wenn Verbindungen nicht fachgerecht ausgeführt werden.

Treffen Profile mit gleichen Abmessungen aufeinander (auf Gehrung), kommen Eckverbinder zum Einsatz. Diese werden entweder verpresst oder verstiftet. In beiden Fällen ist die Einbringung eines speziellen 2-Komponenten-Klebstoffs für Aluminium essenziell. Dieser fixiert die Verbindung nicht nur dauerhaft, sondern dichtet den Gehrungsschnitt auch gegen eindringende Feuchtigkeit ab.

Bildausschnitt einer Eckverbindung eines Aluminium-Systemprofils
Eckverbindung eines Aluminium-Systemprofils

Wenn horizontale Riegel mit vertikalen Pfosten verbunden werden (z. B. bei Pfosten-Riegel-Fassaden), kommen T-Verbinder zum Einsatz. Auch hier sorgt die Kombination aus mechanischer Fixierung für maximale Stabilität.

Die lückenlose Abdichtung der Fügestellen ist ein wesentlicher Faktor für die Dauerhaftigkeit eines Profilsystems. Undichtigkeiten im Verbinderbereich können verdeckte Feuchteschäden verursachen. Deshalb kommt der sorgfältigen Ausführung dieser „unsichtbaren“ Details eine besondere Bedeutung zu.

Bildausschnitt einer T-Verbindung eines Aluminium-Systemprofils
T-Verbindung eines Aluminium-Systemprofils

Die Bautiefe eines Aluminium-Profilsystems ist kein rein ästhetischer Designparameter, sondern das Ergebnis technischer Notwendigkeiten

Im Regelfall werden Fensterelemente im Bereich von etwa 75 mm Bautiefe eingesetzt, da sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Statik und Wärmedämmung bieten. Höhere Anforderungen können jedoch größere Bautiefen erforderlich machen:

  • KLIMATISCHE ANFORDERUNGEN UND WÄRMEDÄMMUNG:
    größere Bautiefen ermöglichen leistungsfähigere Isolierzonen
  • SCHALLSCHUTZ UND EINBRUCHHEMMUNG:
    Aufnahme von schwerem Schallschutzglas und zusätzlichen Sicherheitselementen
  • SONDERKONSTUKTION:
    z. B. absturzsichernde oder begehbare Verglasungen mit erhöhten Lastanforderungen 

Die Auswahl des geeigneten Profils erfolgt daher stets in Abhängigkeit von den projektspezifischen Lastannahmen und Nutzungsanforderungen.

Abbildung eines Entwässerungs- und Belüftungsschlitz im Aluminium-Systemprofil
Belüftungs- und Entwässerung in einem Aluminium-Systemprofil

Ein funktionierendes Dichtungssystem ist Voraussetzung für Wärme-, Schall- und Witterungsschutz sowie den dauerhaften Erhalt der Verglasung. In einem Aluminium-Fensterprofil oder Türprofil kommen mehrere Dichtungsebenen zum Einsatz:

  • MITTELDICHTUNG
    Sie liegt zentral zwischen Blend- und Flügelrahmen und ist das wichtigste Barriere-Element gegen Schlagregen und Wind.
  • ANSCHLAGDICHTUNG:
    Sie dichtet den Flügel innenseitig ab und sorgt für die notwendige Luftdichtheit.
  • GLASDICHTUNG:
    Die Glasanlagedichtung (außen) und die innere Glasdichtung bilden den dichten Abschluss zwischen Profil und Glasscheibe.

Die Glasleiste sichert die Verglasung im Rahmenprofil. Sie wird in speziell profilierte Nuten eingeklipst und durch den Gegendruck der Glasdichtungen fixiert. Eine fachgerecht montierte Glasleiste kann nicht ohne Spezialwerkzeug entnommen werden und trägt damit auch zur Einbruchhemmung bei.

Kein System ist zu 100 % wasserdicht gegen extremen Schlagregen. Daher verfügen Aluminium-Systemprofile über integrierte Entwässerungs- und Belüftungssysteme.

Über verdeckt liegende Öffnungen kann eingedrungene Feuchtigkeit kontrolliert nach außen abgeführt werden. Ohne diese funktionierende Falzraumbelüftung würde stehende Feuchtigkeit zu Korrosion am Beschlag und zu Schäden am Randverbund des Isolierglases führen.

Rauch- und Brandschutzanforderungen stellen einen eigenständigen, zulassungspflichtigen Bereich dar. Standardprofile dürfen hier nicht eingesetzt werden.

Es sind ausschließlich geprüfte und zugelassene Systemlösungen zu verwenden, die auf das jeweilige Schutzziel abgestimmt sind:

  • RAUCHSCHUTZ (RS):
    größere Bautiefen ermöglichen leistungsfähigere Isolierzonen
  • BRANDSCHUTZ (T/EI):
    Begrenzung der Feuer- und Wärmeübertragung über einen definierten Zeitraum im Bereich von Brandabschnitten, Fluren sowie Übergängen zwischen Nutzungseinheiten.

Diese Systeme verfügen über speziell aufgebaute Mehrkammersysteme mit entsprechenden Einlagen, die im Brandfall die Temperaturübertragung reduzieren und die Tragfähigkeit für die geforderte Dauer sicherstellen.

Die Planung und Ausführung erfordern eine abgestimmte Systemwahl sowie eine vollständige Dokumentation der eingesetzten Komponenten und Nachweise.


Patrick Doktorowski

Technische Leitung: Projektsteuerung & Montage
der PRÖCHEL GmbH

Patrick Doktorowski ist Bachelor of Engineering und ift-Fachingenieur Fassade. Sein duales Studium absolvierte er bei PRÖCHEL – seit 2015 ist er fester Bestandteil des Unternehmens und verantwortet heute die technische Leitung in den Bereichen Projektsteuerung und Montage.

Seine Expertise verbindet fundiertes Ingenieurwissen mit langjähriger Praxiserfahrung in der Planung und Ausführung anspruchsvoller Alu-Glas-Konstruktionen.

Patrick Doktorowski - Technische Leitung der PRÖCHEL GmbH

Was möchten Sie sonst noch wissen?

Haben Sie noch mehr Fragen? Dann melden Sie sich gerne bei uns. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Können Aluminium-System-Profile verschiedener Hersteller kombiniert werden?

Nein. Aluminium-Profilsysteme sind herstellerspezifisch aufgebaut und nicht kompatibel. Ein Mischbetrieb führt zum Verlust von Zulassungen und Funktionssicherheit.

Sind Aluminium-SystemProfile wartungsintensiv?

Systemprofile aus Aluminium sind wartungsarm, aber nicht wartungsfrei. Regelmäßige Inspektionen sind erforderlich, um Funktion und Dauerhaftigkeit sicherzustellen.

Wann ist eine Prüfung von Türsystemen gesetzlich vorgeschrieben?

Für automatische Türsysteme ist gemäß DIN 18650 eine regelmäßige Prüfung durch Sachkundige vorgeschrieben. PRÖCHEL übernimmt diese Prüf- und Dokumentationspflicht im Rahmen von Wartungsverträgen, um Sie rechtlich und technisch abzusichern.